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THEATER&TITTEN.

märchenhaft edition

In ihrer zweiten Fotoreihe portraitieren FAUL&HÄSSLICH. sechs Märchenfiguren- von Dornröschen und Schneewittchen über Hänsel und Gretel bis hin zur Schönen (und diesem Biest), die Jahr für Jahr auf den Bühnen der deutschen Theater erscheinen. Die Lichtbilder beschäftigen sich mit der Wut, immer und immer wieder die gleiche Rolle einnehmen zu müssen und bis in alle Ewigkeit zu lieben, zu weinen und am Ende zu heiraten. Oder zu sterben. „So war das schon immer“ oder „Verkaufszahlen“ werden die Ritterschlag-Intendant:innen und Würstchen-Chefs sagen und dir für die nächsten Festspiele die Rolle der stiefmüttrigen Hexenfeeprinzessinnenschlampe schmackhaft machen. Und du wirst über Splatter-Enden nachdenken. Doch die Lichtbilder drücken mehr aus als nur die Wut auf die Reproduktion des ewig Gleichen. Sie beschäftigen sich mit dem Warum. Warum werden Märchenstoffe am Theater immer wieder erzählt, wenn sie doch die Grundpfeiler patriarchaler Weltbilder sind? Welche Rolle spielen Kultureinrichtungen beim Stützen eines Status Quo? Warum sind diese Geschichten nach wie vor anschlussfähig? Was zur Hölle hat es damit auf sich, dass in Märchen immer wieder die Themen der „harten und ehrlichen Arbeit“ in Verbindung mit der „bescheidenen, genügsamen Frau“ auftauchen? Was hat das mit unserer heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft zu tun? Und warum erfinden wir keine neuen Märchen?

Mit der Reihe THEATER&TITTEN., märchenhaft edition drückt FAUL&HÄSSLICH. dieses Mal auch eine unbändige Euphorie des Entsagens aus. Eine Euphorie darüber, der unheilvollen Ankündigung der nächsten Sommerfestspiele zu entkommen und einfach mal die Hochzeit zu streichen- oder Nein zu sagen. Nein. Ich spiel das nicht. Ups. „Aber Märchen sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Leitkultur“. „Sie gehören zum kollektiven Bewusstsein der Menschen“. Eben drum. Vielleicht müssen wir kollektiv an einem neuen Bewusstsein arbeiten. Aber vorher müssen wir anfangen, nein zu sagen.


Produktion: FAUL&HÄSSLICH.
Konzeption / Redaktion: Mare Kraus
Fotografie: Olina Welge
Design: Quinn Laux


Im Rahmen der Rainbow City Heidelberg
Unterstützt vom Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg


Pressestimmen